Marco Spielau - Ernährungs und Gesundheitsexperte Bretzel

Weizensensitivität – Wenn Brot den Darm angreift!

Im Schlemmermonat Dezember mit all seinen Genüssen soll es heute um ein sehr spannendes Thema gehen. Wir alle haben doch schon einmal von Menschen gehört, die Probleme im Darm haben. Viele finden für sich schnell den Übertäter – ganz klar, es ist Weizen. Genauer gesagt Gluten, das den Darm angreift. So schnell die Eigendiagnose, die oft leider falsch ist. Denn eine echte Glutenintolleranz, auch Zölliakie genannte, ist sehr selten. Sie betrifft gerade einmal 0,5% aller Deutschen. Aber warum Verzichten dann immer mehr Menschen auf Gluten und fühlen sich besser? Ganz einfach – es ist nicht das Gluten sondern eine Weizensentivität. Und dieses Getreide wird dann „nebenbei“ mit weg gelassen. Und schon geht es besser…

Folgen sie mir in unser schönstes Organ – den Darm und erfahren sie heute, was wirklich vielen Menschen den „Alarm im Darm“ bereitet.

 

Glutenunverträglichkeit ist das Problem – oder doch nicht?

Der Darm rückt als Schaltzentrale der Gesundheit immer mehr in den Mittelpunkt. Vor allem nach dem Bestseller von Giuila Enders „Darm mit Charme“ haben wir alle schon mal davon gehört. Doch tatsächlich können von hier aus auch viele komische Symptome entstehen, an die wir gar nicht denken. Wie viele Menschen reagieren nach dem Essen mit Magengrummeln oder fühlen sich unwohl. Oft auch über lange Zeit. Dann wird schnell eine Selbstdiagnose getroffen – Weizen und das darin enthaltene Gluten ist der Übeltäter. Daher wächst auch gerade der Markt mit glutenfreien Produkten gigantisch…

Aber oft stimmt das nur bedingt, denn Gluten ist es gar nicht! Mehr als 99% der Deutschen vertragen dieses wichtige Klebereiweiß (zum Brot backen unerlässlich) im Weizen sehr gut aber sie vertragen die heutige Herstellung des Brotes nicht…

Nach jahrelanger Forschung sind Wissenschaftler dem Geheimnis auf die schliche gekommen warum soe viele Menschen sicht nicht gut fühlen nachdem sie Brot und Co. gegessen haben. Sie haben eine Weizensensitivität entwickelt.

 

Weizensensitivität Was ist das? Das Geheimnis der ATI´s

Weizensensitivität oder fachlich auch „Nicht-Zöliakie-Nicht-Allergie-Weizensensitivität“ genannt ist tatsächlich auf dem Vormarsch. Sie kann tatsächlich zu schwereren entzündlichen Veränderungen der Darmschleimhaut bis hin zum Leaky Gut führen – dem „löchrigen Darm“… Dabei kann es passieren das nur Teilweise verdaute Nährstoffe, Toxine, Bakterien etc. in unseren Blutkreislauf geraten und dann unser Immunsystem verrückt spielen lassen.

Doch woher kommt das? Lange hatte man das Gluten allgemein im Verdacht aber das konnte man nicht bestätigen. Vielmehr ist man einer anderen Eiweißfraktion im Getreide auf die schliche gekommen, der ATI´S. Diese Amylase-Trypsin-Inhibitoren waren bisher noch nie ein Problem, da sie schon immer im Weizen, Gerste oder Roggen enthalten waren. Sie sind in der Pflanze einfach dafür da um Parasiten abzuwehren. Es wurden auch nicht mehr ATI´s in die Pflanzen gezüchtet oder diese verändert. Also woher kommen die Probleme bei vielen Menschen heute? Früher spielte das doch keine Rolle…

Die Antwort fand man im guten alten Handwerk des Brot backens. Denn ATI´s werden durch Hefe oder Sauerteigkulturen während der Teigruhe abgebaut und somit unschädlich gemacht. Brot das noch vom echten Handwerksbäcker stammt, der dem Brot noch Zeit gibt zu ruhen, enthält deutlich weniger ATI´s und wird daher oft gut vertragen. Oma kannte das Problem im Darm noch nicht…

Doch wer kauft denn noch beim echten Bäcker? Ist ja so teuer! Also haben sich Teiglinge und Brote in Discountern durchgesetzt, die maximal noch 45min Teigruhe haben, denn Zeit ist Geld. Wenns auch auf die Kosten der Gesundheit geht. Und da ein Großteil der deutschen Backwaren immer Weizen enthält, essen wir davon am meißten. Lässt man nun Weizen weg – lässt man ATI´s weg und Symptome verschwinden…

 

Ein Beispiel – Die Hilfe nach Jahren?

Lassen sie mich von einer Patienten erzählen, die ich einmal unterstützen durfte.

Es war einmal eine 38jähre Frau, die sehr schlank war und immer ein sehr „flippiger“ Mensch. Immer ging es ihr gut, bis plözlich Schwächeanfälle auftraten. Und zwar sehr starke Schwächeanfälle. Von jetzt auf gleich ging gar nichts mehr – weder beruflich noch im Privaten. Krankschreibungen waren nötig, Konzerte und Verabredungen wurden abgesagt und dafür Füße hoch auf dem Sofa das einzige was möglich war. Dies ging über drei Jahre und niemand wusste zu helfen. Die Ärzte checken sie sogar 10 Tage im Krankenhaus durch inklusive Punktion des Hirnwassers – es könnte ja eine Meningitis sein. Ergebnis? Nichts! Nur leicht erhöhte Entzündungswerte im Blut auf die man sich keinen Reim machen konnte. Empfehlung: Machen sie sich nicht so viel Stress…

Ich durfte diese junge Frau kennen lernen und sie erzählte mir leidend ihre Geschichte. Und da kam der Ernährungswissenschaftler durch und ich fang an zu Fragen: Haben Sie Allergien? Nein. Wann tritt dies denn auf? Kann ich nicht genau sagen – es kommt völlig Überraschend. Kann es sein, das der Schwächeanfall kommt, nachdem sie etwas gegessen haben? Hm, ja das stimmt. Seit wann haben sie das? Seit ca. drei Jahren. War denn etwas Besonderes vor drei Jahren? Und dann kam die Lösung: Ja, da hatte ich eine Antibiotika Therapie nach einem Zeckenbiss! Schon hatte ich einen Verdacht und stellte die letzte klärende Frage: Haben sie schon einmal von Probiotika gehört? Nein…

Und da hatten wir das Problem…

 

Leaky Gut – die noch unbekannte Krankheitsbild?

Was war passiert?

Die Frau hatte eine wochenlange Antibiotikatherapie. Sie war sicher notwendig aber greift nicht nur böse Bakterien an sondern auch die guten im Darm. Auch die Bakterien, die bestimmte kurzkettige Fette bilden, welche wiederum die Zellen der Darmschleimhaut mit Energie versogen. Diese wichtigen Bakterien waren zu wenig vertreten und somit konnten die Zellen ihre Barrierefunktion nicht mehr erfüllen. Die absolut geschlossenen Verbindungen zwischen den Zellen (Tight junktions) rückten etwas auseinander und es traten Stoffe in das Blut durch, die dort eigentlich nicht hin gehören. Zum Beispiel die oben genannten ATI´s tun dies verstärkt. Unser Immunsystem erkennt diese Stoffe und reagiert sofort daruf. Dies kostet natürlich Energie und die Entzündungswerte steigen leicht an…

Die Frau hat einen Leaky Gut ausgebildet – der löchrige Darm, den kein Arzt diagnostizieren kann. Oder oft behauptet, so etwas gibt es nicht. Oh doch denn was war nun mein Tipp?

Wir starteten sofort mit hochdosierten Probiotika in Joghurtform, den sie selber zu Hause hergestellt hat. Dazu hat sie konsequent auf Weizen verzichtet und das Ergebnis? Sie hatte nie wieder einen Schwächeanfall und ist bis heute dankbar.

Mitlerweile kann sie auch schon wieder Weizen in kleinen Mengen essen – die Probiotika tun ihre Aufgabe. Ob es jemals wieder unbegrenzt Weizen geben kann bleibt fraglich aber wir haben die Symptome im Griff. Was für ein Erfolg!

 

Lösen sie die Ursache vieler Problem im Darm!

 

Hier einmal ein Leaky Gut im Bild:

 

Und dieser ist nicht so selten, denn viele Menschen haben heutzutage unspeziefische Probleme im Darm oder anderen Missempfindungen. Bis hin zu medizinischen Symptomen ohne Diagnose – dabei liegt sie oft nah. Die Ursache liegt meißt im Darm und ist zurückzuführen auf Medikamente, einseitige Ernährung mit wenig Rohkost, Rauchen oder Alkohol und so weiter. Hinzu kommt dann oft eine Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Nahrungsbestandteilen, die sich auch schleichend entwickeln kann. In 8 von 10 Fällen ist dies zurück zu führen auf die ATI´s im Weizen. Und wir hätten dieses Problem nicht, wenn wir wieder alle beim echten Handwerksbäcker kaufen würden. Uns geht es besser und das Handwerk freut sich – meiner Meinung nach schmeckt es auch besser.

Haben sie also unspeziefische Probleme, rumort es im Magen und Darm, findet der Arzt nichts denken sie an ihre guten Bakterien.

Die Lösung ist dann häufig einfach – nutzen sie Probiotika und versuchen sie es im ersten Schritt Weizenfrei. Wenn es Ihnen besser geht, dann war es der Leaky Gut und nach 12 Wochen können sie wieder langsam versuchen mit Baguette und Nudeln anzufangen.

 

Herzliche Grüße,

Marco Spielau